Olympus OM-D E-M10: dringend nötige Verbesserungen

Seit einiger Zeit benutze ich die Olympus OM-D E-M10 Systemkamera.

Nachdem ich eine recht steile Lernkurve hinter mich gebracht habe, finde ich immer noch, dass das eine tolle Kamera ist. Jedoch sehe ich eine Vielzahl an kleinen Problemen in der Bedienung, die Olympus in einem Firmware Update beheben sollte (wo es möglich ist), oder die zumindest in einem zukünftigen Kameramodell korrigiert werden sollten.

Bilder per WLAN auf den Computer laden

Diese Kamera hat ein großes “WLAN”-Logo auf der Verpackung und einen WLAN-Button auf dem Touchscreen. Also nahm ich an, dass man Bilder ganz einfach per WLAN auf seinen Computer transferieren kann.

Falsch.

Das WLAN der OM-D E-M10 kann man nur verwenden, um die Kamera mit einem Smartphone zu verbinden, um sie von diesem zu steuern, oder die Bilder aus der Kamera auf das Smartphone zu laden. Dies kann man machen, indem man die Olympus-App “OI.share” benutzt. Das WLAN der Kamera kann nicht verwendet werden, um sich mit einem WLAN-Accesspoint zu verbinden (z. B. zu Hause). Stattdessen wird die Kamera bei Aktivierung des WLAN selber zu einem Accesspoint, mit welchem sich das Smartphone verbindet. Es gibt keine Möglichkeit, einen richtigen Computer per WLAN mit der Kamera zu verbinden.

Um das zu tun, was ich als “Standardfunktion” erwartet hatte (Bilder per WALN auf den Computer zu laden), muss man sich zusätzlich z. B. eine Eye-Fi-Karte kaufen, was eine SD-Karte mit integriertem WLAN ist. Warum das erforderlich ist, kann wohl nur Olympus beantworten.

Übergroßes Ladegerät und kein Aufladen per USB

Die Olympus OM-D E-M10 kann nicht per USB aufgeladen werden, was wirklich schade ist, da USB-Ports und (Micro-) USB-Ladegeräte heutzutage überall verfügbar sind.

Stattdessen muss man, um den Akku zu laden, eine kleine Öffnung an der Kamera öffnen und den Akku herausnehmen und diesen in das zugehörige Ladegerät legen. Das Ladegerät ist jedoch ziemlich groß, was absolut nicht zu den kleinen Abmessungen der Kamera passt.

Unten kann man einmal die Größe des Ladegerätes mit einem ähnlichen Ladegerät einer Panasonic-Kamera verleichen – das Olympus-Ladegerät ist ungefähr doppelt so groß wie das von Panasonic! Zu dem Ladegerät kommt noch ein recht dickes, steifes und schweres Netzkabel, welches im Vergleich zu USB auch antiquiert wirkt.

Olympus charger footprint compared to some Panasonic charger
Von oben betrachtet ist das Olympus-Ladegerät ähnlich groß wie das der Panasonic…
Olympus charger height compared to Panasonic
…aber wegen seiner Höhe ist es doch ca. doppelt so groß

Außerdem ist das Einsetzen der Batterie in die Kamera ziemlich unpraktisch gelöst, da es keinerlei physische Führung gibt. Daher kann die Batterie falsch herum in die Kamera eingesetzt werden, was einem mit ca. 50% Wahrscheinlichkeit passiert, und was man erst bemerkt, wenn die Batterie am Ende nicht einrastet. Bei anderen Kameras ist dies deutlich besser gelöst: An der Nikon D40 beispielsweise ist die Batterie physisch einfach so geformt, dass sie sich nur richtig herum einsetzen lässt.

Der Augen-Sensor nervt im Playback-Modus

Die OM-D E-M 10 hat einen Augensensor, der den hinteren Bildschirm abschaltet und den EVF (elektronischer Viewfinder) anschaltet, sobald man die Kamera an sein Auge hält. Das funktioniert sehr gut, abgesehen von einem Problem: Wenn man Bilder betrachtet (Playback-Modus), landet man häufig ungewollt im Live-View-Modus, weil man unabsichtlich den Augensensor mit der Hand aktiviert.

Dieses Problem tritt deswegen auf, weil man, um Bilder zu betrachten den Playback-Button drücken muss. Dieser befindet sich rechts oben an der Kamera, und ist damit sehr gut für den Daumen zu erreichen. Dieser Daumen rotiert dann jedoch meist nach links unten, um z. B. die Cursor- und OK-Tasten im Playback-Modus nutzen zu können. Bei dieser Daumenbewegung passiert es mir persönlich ca. 50% der Zeit, dass ich mit dem Daumen eben den Augensensor aktiviere, was dazu führt, dass die Kamera den Playback-Modus verlässt und in den Live-View-Modus geht.

Eine einfache Lösung für dieses Problem wäre, dass der Playback-Modus nicht durch den Augensensor beendet werden kann. Der Playback-Modus sollte nur durch einen (halben) Druck auf den Auslöser beendet werden, wie es bei anderen Kameras auch üblich ist (z. B. Nikon).

Die IBIS-Einstellungen sollten in den Bild-Metadaten gespeichert werden

Diese Kamera hat eine gut funktionierende eingebaute optische Bildstabilisierung (“In Body Image Stabilization” – IBIS), die unabhängig vom verwendeten Objektiv funktioniert.

Leider werden die verwendeten IBIS-Einstellungen nicht in den Metadaten der Bilder gespeichert. Dies wäre jedoch eine sehr interessante Information bei der späteren Sichtung der Bilder: Welche Bilder sind unscharf und welche nicht, und warum?

Die Kamera macht Geräusche

Dieser Punkt ist wirklich komisch. Die OM-D E-M 10 hat ein deutlich hörbares Betriebsgeräusch sobald sie angestellt ist, auch wenn die Kamera gar nichts macht. Man kann dieses Geräusch gut hören, wenn man die Kamera dicht ans Ohr hält. Stellt man die Kamera auf eine resonierende Oberfläche (z. B. manche Tische), kann man das Geräusch sogar über eine gewisse Entfernung bei Zimmerlautstärke hören.

Dieses Geräusch scheint nicht mit der Bildstabilisierung IBIS zusammenzuhängen – auch wenn man IBIS komplett ausstellt ist das Geräusch da.

Das Geräusch hat auch nichts mit dem Autofokus zu tun – es tritt auch auf, wenn die Kamera im Playback-Modus ist oder wenn nur manueller Fokus eingestellt ist.

Auch mit der Sensorreinigung hat das Geräusch scheinbar nichts zu tun – diese Reinigung ist nur kurz beim Anschalten der Kamera aktiv.

Leider, und das ist wirklich ein Problem, ist das Geräusch auch in aufgezeichneten Videos hörbar, auch da ist es selbst dann der Fall, wenn manueller Fokus ein- und IBIS ausgestellt waren.

Unpraktische und unzuverlässige Ladezustandsanzeige

Auch die Anzeige des Ladezustands hat ein paar Schwachstellen.

Erstens: Wenn der Akku voll ist, wir der Ladezustand nur kurz angezeigt, wenn man die Kamera einschaltet, und dann ausgeblendet. Das entbehrt zwar nicht einer gewissen Logik, aber wir sind doch alle daran gewöhnt, dass elektronische Geräte ihren Ladezustand ständig anzeigen (alle Smartphones und Laptops z. B. machen es so), daher ist es einfach nur verwirrend, dass die Ladezustandsanzeige manchmal versteckt ist.

Zweitens: Die Anzeige der Akku-Kapazität ist nicht sehr verlässlich. Sie zeigt beispielsweise “voll” an, wenn man die Kamera anstellt, dann, nach einigen Minuten der Benutzung, auf einmal “mittel”. Stellt man jetzt die Kamera aus und wieder an, zeigt die Anzeige auf einmal wieder “voll” an. Dann kann es auf einmal passieren, dass nach nur recht kurzer weiterer Benutzung auf einmal “fast leer” angezeigt wird – zu diesem Zeitpunkt kann man dann wirklich nur noch einige wenige Fotos machen (die Levels der Batteriewarnung können über die Einstellungen konfiguriert werden – möglicherweise kann das Verhalten dadurch verbessert werden).

Diese Problematik wird deutlich dadurch verstärkt, dass die Batterie einfach nicht sehr lange durchhält. Verglichen mit allen DSLR-Kameras ist es wirklich ein Witz, wie schnell diese Batterie leer ist.

Bilder Löschen

Ein einzelnes Bild löschen

Ein einzelnes Bild zu löschen ist an der OM-D E-M10 etwas unpraktisch gelöst, da man zwei Buttons drücken muss: einmal “löschen” und dann “OK” um das Löschen zu bestätigen. Nikon z. B. hat dies bei seinen DSLR-Kameras angenehmer gelöst – dort drückt man “löschen” einmal und bestätiget mit einem zweiten Druck auf “löschen”, was natürlich leichter und schneller ist.

Mehrere Bilder löschen

Die Olympus OM-D E-M 10 hat eine praktische Funktion “auswählen und löschen”, mit der man viele Bilder gleichzeitig löchen kann: Man wählt dabei beliebig viele Bilder mit einem separaten Button “auswählen” aus. Drückt man dann den Button “löschen”, fragt einen die Kamera: “Ausgewählte Bilder löchen?” was es einem mit einem weiteren Druck auf “OK” ermöglicht, alle gewählten Bilder gleichzeitig zu löschen.

Das Problem mit diesem Bestätigungsdialog ist, dass es weder die Anzahl der zu löschenden Bilder anzeigt noch z. B. Thumbnails der Bilder. Beides wäre deutlich besser!

Bilder zum Teilen und Sperren auswählen

Im Playback-Modus, in der Gitteransicht, kann man einfach mehrere Bilder mit dem Auswahl-Button oder dem Touchscreen auswählen und dann diese gewählten Bilder zum “Sperren” oder “Teilen” markieren, indem man dann die Icons “sperren” und “teilen” auf dem Touchscreen berührt.

Das Problem ist, dass der umgekehrte Prozess (“Entsperren” oder “Ent-teilen”) nicht mit mehreren Bildern gleichzeitig durchgeführt werden kann, sondern nur für jedes Bild einzeln. Wenn man z. B. unabsichtlich ein paar Dutzend Bilder als “gesperrt” oder “geteilt” markiert hat, muss man sich durch jedes einzelne Bild durcharbeiten und “entsperren” bzw. “ent-teilen” auf dem Touchscreen drücken.

Es wäre viel besser, wenn Entsperren und Ent-teilen genau wie “Sperren” und “Teilen” funktionieren würden: Einfach alle gewünschten Bilder auswählen, und dann die Buttons “sperren” oder “teilen” drücken, um den Zustand aller gewählten Bilder zu ändern.

Das Menü vergisst seine letzte Position

Durch Drücken des Buttons “Menu” wird das Menü mit den gigantischen Konfigurationsmöglichkeiten der Olympus OM-D E-M 10 angezeigt. Das Problem hier ist, dass sich das Menü nicht die zuletzt aufgerufene Position merkt, sondern einen immer auf einer etwas höheren Ebene der Navigation einsteigen lässt.

Wenn man also mit einer Konfigurationseinstellung herumspielen möchte und ins Menü geht, die Konfiguration ändert, dann zurück in den Playback-Modus oder in den Aufnahmemodus wechselt um die Auswirkung der Konfiguration zu sehen, und danach wieder in das Menü geht um die gleiche Konfigurationseinstellung zu ändern, muss man fast immer erneut zu der gewünschten Konfigurationseinstellung navigieren.

Viel besser ist dies z. B. bei der Nikon D40 gelöst, die beim erneuten Aufruf des Menüs verlässlich immer die exakt gleiche Stelle des Menüs anzeigt, was es deutlich einfacher macht, verschiedene Konfigurationseinstellungen auszuprobieren.

Der Blenden-Vorschau-Modus sollte angezeigt werden

Die OM-D E-M10 hat einen Blenden-Vorschau-Modus, den man sich ganz einfach auf den FN1- oder FN2-Button legen kann. Wenn man dann diesen Button drückt, wird die Blende bis zum derzeit eingestellten Wert geschlossen, und man kann im Live-View die sich ergebende Tiefenschärfe sehen.

Leider zeigt die Kamera nicht an, dass die Blendenvorschau aktiv ist. Einzig das Geräusch der sich schließenden Blende ist hörbar. Wenn man also vergessen hat, dass man die Blendenvorschau z. B. dem Button FN1 zugeordnet hat, kann man schonmal verwirrt werden, wenn man den Button drückt und scheinbar nichts passiert (wenn die Blende auf den größten Wert des Objektivs gesetzt ist, ändert sich das Bild im Live-View überhaupt nicht, auch die Bildhelligkeit bleibt gleich).

Es wäre daher praktisch, wenn die Kamera einfach ein kleines Icon anzeigt, sobald die Blendenvorschau aktiv ist.

Der Button “Menü” sollte “Menü & zurück” heißen

Der Button zum Aufrufen des Menüs, der einfach mit “MENU” beschriftet ist, hat eigentlich mehrere Funktionen. Am wichtigsten ist, dass er beim Navigieren des Menüs auch als “Zurück” fungiert, um in der Menühierarchie nach oben zu navigieren.

In diesen Fällen wird im Display immer ein kleiner Text “Zurück: MENU” angezeigt, um die Doppelbelegung des Buttons klar zu machen. Stattdessen wäre es intuitiver, wenn der Button einfach (zusätzlich) mit einem kleinen “zurück”-Icon beschriftet wäre (andere Buttons an der Kamera haben auch mehrfache Beschriftungen).

Befestigung des Tragegurts

Die Befestigung des Tragegurts an der OM-D E-M10 scheint merkwürdig kompliziert zu sein, zumindest wenn man sich an die Anleitung hält. Man soll es wie folgt machen:

OM-D E-M10 complicated strap fastening
OM-D E-M10: komplizierte Tragegurtbefestigung

Zugegebenermaßen ist es wohl bei vielen Kameras ähnlich kompliziert. Dies sollte Olympus jedoch nicht davon abhalten, eine einfachere Befestigung (möglichst noch einfach längenverstellbar) zu verwenden.

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