Fahrradteile vor Diebstahl schützen

Dieser Post beschreibt Maßnahmen, um die einzelnen Komponenten eines Fahrrads – wie Sattel, Räder, Vorbau und Lenker, Gabel – gegen Diebstahl zu schützen.

Im ersten Teil stelle ich die einzelnen Maßnahmen im Detail vor. Am Ende der Seite befindet sich noch eine übersichtliche Vergleichstabelle.

Ihr kennt noch weitere Möglichkeiten, sich gegen Diebstahl zu wehren? Dann schreibt einfach einen Kommentar.

Anschließen

Die augenscheinlich einfachste Maßnahme ist natürlich das Anschließen der betroffenen Komponenten mit einem Spiral-, Ketten- oder Bügelschloss an einen festen Gegenstand oder den Rahmen. Weil das jedoch viele Nachteile hat, werde ich es im Weiteren nicht mehr betrachten.

Nachteile:

  • Man muss mehrere Schlösser (und Schlüssel!) dabei haben. Das steigert das Gewicht und man muss diese Schlösser beim Fahren ja auch irgendwo unterbringen oder befestigen.
  • Viele der “leichteren” Schlösser (z. B. Spiralschlösser) sind unsicher und können mit einfachsten Mitteln (Zange oder Bolzenschneider) geöffnet werden.
  • Das Ab- und Anschließen des Fahrrads verlängert sich.
  • Insbesondere die Sicherung des Sattels mit einem Schloss ist relativ schwierig (außer man nimmt ein sehr dünnes und damit unsicheres Schloss).
  • Lenker und Gabel lassen sich so meist gar nicht vor Diebstahl schützen.

Pitlock-System

Das Pitlock-System besteht aus speziellen Muttern sowie Bolzen (für Laufräder, Sattelstütze) sowie einem speziellen Schlüssel. Es gibt mehr als 1000 unterschiedliche Muttern und Schlüssel, die sich nur über eine Code-Karte beim Hersteller nachkaufen lassen.

Pitlock Schlüssel, Mutter und Bolzen

Vorteile:

  • Sehr schlanke Sicherungsmaßnahme (Optik und Gewicht).
  • Pitlock bietet eine sehr große Auswahl an möglichen Sicherungen, u. a. für: Ahead-Vorbau, Steckachsen, Vollachsen (für Rohloff, Shimano Nexus und Alfine, Nabendynamo), abschraubbare Ausfallenden, Felgenbremsen, Front-Scheinwerfer, einzelne Schrauben.

Nachteile:

  • Kann leider relativ leicht geöffnet werden, z. B. mit Schraubenzieher und  Spitz- oder Flachzangen.
    Mir selbst wurde vor einigen Jahren ein Satz Laufräder gestohlen, trotz Pitlock. Angeblich gab es über die Jahre verschiedene Verbesserungen an dem System, die den Diebstahl verhindern sollen, ich kenne diese leider nicht.
  • Laut Hersteller darf man das Pitlock-System nur handfest (8-10 Nm) zuschrauben, was sowohl an der Sattelstütze ein Problem sein kann (kann reinrutschen) als auch insbesondere am Hinterrad (durch die großen Kräfte kann sich das Rad verschieben – mir hat es durch die jahrelange Benutzung vermutlich das Ausfallende ruiniert).
  • Relativ teuer: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet 42 € (derzeitiger Marktpreis).

Pinhead-Components

Das Pinheads-System ist ähnlich wie Pitlock, d. h. es gibt spezielle Muttern und Achsen und einen speziellen Schlüssel. Von Muttern und Schlüsseln gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Versionen, die sich nur über eine Code-Karte beim Hersteller bestellen lassen.

Pinhead Schlüssel, Mutter und Bolzen

Vorteile:

  • Leicht und schlank (Optik und Gewicht)
  • Ähnliche Produktvielfalt wie bei Pitlock: auch für Steckachse, Vollachse, Vorbau (Aheadset), Sattel.
  • Scheint schwerer zu knacken zu sein als Pitlock, obwohl es auch hier möglich ist (z. B. mit einem Gator Grip).

Nachteile:

  • Relativ teuer: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet  57 € (derzeitiger Marktpreis).
  • Laut Hersteller darf man das Pinhead-System nur handfest (8 Nm) zuschrauben, was sowohl an der Sattelstütze ein Problem sein kann (kann reinrutschen) als auch insbesondere am Hinterrad (durch die großen Kräfte kann sich das Rad verschieben – mir hat es durch die jahrelange Benutzung vermutlich das Ausfallende ruiniert).

HexLox

HexLox besteht aus Einsätzen, die sich mit einem speziellen Schlüssel in sämtliche Inbus-Schrauben (Innensechskant) einsetzen lassen. Der Einsatz verbleibt dort und hält durch Magnetkraft. Ein Inbusschlüssel lässt sich in diese Schrauben dann nicht einsetzen.

Will man eine Schraube öffnen, muss man mit dem speziellen Schlüssel den Einsatz entfernen. Den Schlüssel gibt es in einer Vielzahl von Kombinationen (nur nachbestellbar mit Code-Karte).

HexLox ist sehr neu und die Sicherheit des Systems lässt sich noch nicht wirklich bewerten. Laut Hersteller ist Angreifern weder das Lösen per Zange, Schraubenzieher oder Magneten gelungen. Auch die Berlin Lockpicking Society hat laut Hersteller vergeblich versucht, ein HexLox zu öffnen.

Wenn es funktioniert wie beschrieben ist es für mich derzeit das vielversprechendste Diebstahlschutz-System.

Vorteile:

  • Extrem leicht und unauffällig.
  • Jede Inbusschraube (4, 5 und 6 mm) lässt sich schützen. Damit ist auch ein Schutz von Sattel (nicht nur Sattelstütze) und Lenker möglich.
  • Auch Vollachsen und Steckachsen (ein bestimmter Hersteller) werden unterstützt.
  • Da die Original-Schrauben verwendet werden, können diese auch mit ganz normaler Kraft angezogen werden.

Nachteile:

  • Relativ teuer: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet  55 €.
  • Je nach Form des Schraubenkopfes lassen sich manche Schrauben auch mit einer Wasserpumpen-Zange öffnen, dagegen schützt HexLox nicht. Diese Schrauben können aber meist gegen Schrauben mit flacherem Kopf ausgetauscht werden.

Atomic 22

Atomic 22 ähnelt Pitlock und Pinhead. Es besteht aus Schrauben oder Muttern und einem passenden, individuellen Schlüssel.

Vorteile:

  • Extrem viele Schutzmöglichkeiten. Neben den Standards bietet Automic 22 auch Schutz für Kurbeln, Kettenblätter, Pedale etc.

Nachteile:

  • Extrem teuer: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet  135 £ bzw. 160 €.

Innen-Fünfkant

Eine sehr einfache Möglichkeit ist es, die Schnellspanner und alle schützenswerten Inbusschrauben (Innensechskant) gegen Innenfünfkant auszutauschen.

Fünfkant Schlüssel und Bolzen

Vorteile:

  • Sehr kostengünstig: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet  ab 11 €.
  • Schrauben können mit normaler Kraft angezogen werden.
  • Alle Inbusschrauben können geschützt werden.

Nachteile:

  • Schützt wirklich nur gegen absolute Gelegenheitsdiebe, da der nötige Fünfkantschlüssel in jedem Fahrradladen erworben werden kann.

Sicherheitsschrauben

Schrauben können auch mit speziellen Sicherheitsschrauben ersetzt werden, z. B. Torx mit Pin in der Mitte oder Innensechskant mit Pin.

Vorteile:

  • Alle normalen Schrauben sind auf diese Weise schützbar.
  • Sehr preisgünstig: 1 Schraube 0,10 € bis 1,50 € je nach Art und Größe.
  • Schrauben können normal fest angezogen werden.

Nachteile:

  • Die nötigen Werkzeuge / Bits sind frei verkäuflich.
  • Schützt daher vermutlich nur gegen Gelegenheitsdiebe, vermutlich aber zumindest besseres Schutzniveau als mit Innnefünfkant, da es eine Vielzahl an Formen gibt und die Werkzeuge / Bits sicher nicht so verbreitet sind.
  • Kein Schutz von normalen Laufrädern möglich. Schutz von Vollachsen, z. B. bei Nabenschaltung, ist über Spezial-Muttern (z. B. Kinmar Removable) möglich.

Zefal Lock’n’Roll

Zefal Lock’n’Roll (auch bekannt als Anti-Theft) ist ein Schnellspannsystem für die Laufräder und die Sattelstütze, das sich nur öffnen lässt, wenn das Fahrrad liegt. Da ein angeschlossenes Fahrrad meist steht ist ein Öffnen dann nicht möglich. Dies wird über eine Kugel erreicht, die den Hebel blockiert.

Vorteile:

  • Funktion des Schnellspanners bleibt erhalten.
  • Sehr preisgünstig: Ein Set um die Räder und die Sattelstütze zu sichern kostet  ab 22 €.

Nachteile:

  • Lässt sich laut Aussagen einiger Nutzer öffnen, indem man stark dagegenschlägt und dann den Hebel öffnet. Die erste Version ließ sich mit einem Magneten öffnen.
  • Kein Schutz von Vorbau oder anderen Teilen möglich, auch Voll- oder Steckachsen können nicht geschützt werden.

Übersicht der Maßnahmen

 PitlockPinheadHexLoxAtomic 22FünfkantZefal Roll'n'LockSicherheits- schrauben
Preis für Set Räder & Sattelstütze42 €57 €55 €
(auch für Sattel)
160 €11 €22 €Schutz von Hohlachsen nicht möglich
Schutz für Vollachse möglich (Nabenschaltung)ja (+)ja (+)ja (+)ja (+)nein (-)nein (-)ja (+)
Schutz für Steckachse möglichja (+)ja (+)ja (+)ja (+)nein (-)nein (-)nein (-)
Schutz für Vorbau/Gabel möglichja (+)ja (+)ja (+)ja (+)ja (+)nein (-)ja (+)
Schutz für Standard-Inbusschrauben (z. B. Felgenbremsen oder Lenker) möglichnein* (-)nein (-)ja (+)ja (+)ja (+)nein (-)ja (+)
Werkzeug frei verkäuflichnein (+)nein (+)nein (+)nein (+)ja (-)kein Werkzeug erforderlich (0)ja (-)

*: Schutz möglich über separates Produkt PIT Stopper.

Andere Maßnahmen

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Maßnahmen, um insbesondere Schrauben zu sichern. Auf diese möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer eingehen. Hier einige Ideen:

  • Schraubenköpfe mit Bienenwachs verfüllen
  • Schraubenköpfe mit Heißkleber verfüllen
  • Schraubenköpfe mit einer eingeklebten Metallkugel (z. B. aus Kugellager) verschließen

Sie alle haben den gemeinsamen Nachteil, dass sie das Öffnen der Schrauben auch für den Besitzer erst einmal erschweren (z. B. im Pannefall problematisch).

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